In der Türkei und im Nahen Osten gelten sie als Festtagsschätze, hierzulande sind sie kaum bekannt: knusprige Desserts aus hauchdünnem Teig, gefüllt mit Nüssen und getränkt in duftendem Sirup. Warum also beschränken sich viele deutsche Haushalte auf immer dieselben Nachspeisen wie Tiramisu oder Schokoladenpudding? Wer Neues wagt, wird kulinarisch belohnt. Denn orientalische Süßspeisen wie Kadayif oder Kunefe bieten Textur, Tiefe und aromatische Vielfalt.
Kadayif als Geheimtipp für Süßspeisen
In vielen orientalischen Küchen spielt Kadayif eine zentrale Rolle, wenn es um festliche Nachspeisen geht. Der goldbraun gebackene Teig, gefüllt mit gehackten Walnüssen oder Pistazien, bildet die Basis für Desserts, die sowohl optisch als auch geschmacklich auffallen. Während Baklava hierzulande bereits in ausgewählten Feinkostläden erhältlich ist, bleibt Kadayif bislang ein Geheimtipp. Dabei liegt der Reiz nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Konsistenz: Kadayif lebt von seiner Leichtigkeit und einer Knusprigkeit, die beim ersten Bissen hörbar wird.
Verwendet wird für dieses Dessert sogenanntes Engelshaar – ein extrem feiner Teig, der maschinell zu dünnsten Fäden gezogen wird. Die Herstellung per Hand ist selbst für erfahrene Bäckerinnen und Bäcker kaum praktikabel. Wer sich dennoch an das Rezept wagen möchte, kann inzwischen problemlos Engelshaar kaufen, beispielsweise über spezialisierte Anbieter mit Fokus auf orientalische Grundzutaten. Entscheidend für das Gelingen ist dabei die Qualität: Ein zu dichter oder brüchiger Teig verändert nicht nur das Mundgefühl, sondern auch die Backeigenschaften. Idealerweise wird Engelshaar luftgetrocknet oder tiefgekühlt geliefert, damit es beim Verarbeiten formstabil bleibt und gleichmäßig bräunt.
Zubereitung braucht Präzision und Gefühl
Sobald der Teig bereitliegt, beginnt das eigentliche Handwerk. Kadayif wird nicht einfach geschichtet wie viele westliche Teigwaren, sondern gezwirbelt, gewickelt oder als kleine Röllchen gelegt. Die Technik bestimmt dabei maßgeblich, wie sich die spätere Feuchtigkeit verteilt. Zwischen die feinen Teigfäden kommt meist eine Mischung aus gehackten Walnüssen, etwas Zimt und Zucker. Nach dem Backen wird das Dessert mit einem aromatisierten Sirup übergossen, der zuvor mit Zitronensaft oder Rosenwasser verfeinert wurde.
Basbousa: Saftiger Grießkuchen mit aromatischem Sirup
In Ägypten, Syrien und dem Libanon ist Basbousa ein Klassiker – saftig, süß und voller Textur. Der Kuchen auf Grießbasis überzeugt mit wenigen, aber ausdrucksstarken Zutaten. Sein Geheimnis liegt im Sirup, der nach dem Backen über den noch warmen Teig gegossen wird. Dadurch entsteht eine fast puddingartige Feuchtigkeit, die mit jedem Bissen intensiver schmeckt.
Für die Zubereitung werden 200 Gramm Hartweizengrieß mit 100 Gramm Joghurt, 60 Gramm Zucker, etwas Kokosraspeln, Backpulver und geschmolzener Butter zu einem dicken Teig verrührt. Dieser wird in eine eingefettete Backform gestrichen und vor dem Backen mit blanchierten Mandeln oder Pistazien dekoriert. Gebacken wird bei 180 Grad für rund 30 Minuten, bis die Oberfläche goldbraun ist.
Wichtig ist der Zuckersirup: 150 Milliliter Wasser, 150 Gramm Zucker, ein Spritzer Zitronensaft und auf Wunsch etwas Rosenwasser werden aufgekocht und anschließend über den heißen Kuchen gegossen. Basbousa wird in Rauten geschnitten und kann warm oder abgekühlt serviert werden. Die Textur bleibt dabei kompakt und saftig, der Geschmack ist deutlich süßer als bei westlichen Kuchen.
Maamoul: Gefüllte Grießplätzchen mit Dattel oder Walnuss
Maamoul sind kleine, halbrunde oder gewölbte Gebäcke, gefüllt mit süßer Dattelmasse oder Walnüssen. In Ländern wie Jordanien, Palästina oder dem Libanon werden sie zu religiösen Festen wie Eid oder Ostern gebacken – als Symbol für Gastfreundschaft, Familie und Überfluss. Ihr Duft ist unverkennbar: eine Mischung aus Butterschmalz, Grieß und Gewürzen wie Mahleb, Anis oder Mastix.
Für den Teig wird eine Mischung aus feinem Weizengrieß (ca. 500 g), etwas Mehl, Butter oder Ghee, Zucker und einem Schuss Rosen- oder Orangenblütenwasser verarbeitet. Der Teig ruht mehrere Stunden oder über Nacht, damit der Grieß quellen kann. Die Füllung besteht traditionell aus entsteinten Datteln, die mit Zimt und Muskat erwärmt und zu einer Paste verarbeitet werden. Alternativ werden gemahlene Walnüsse oder Pistazien mit Zucker und Gewürzen vermischt.
Die Teigstücke werden zu kleinen Kugeln geformt, flach gedrückt, mit der Füllung versehen und dann in spezielle Maamoul-Formen aus Holz gedrückt, die das charakteristische Muster erzeugen. Gebacken wird bei etwa 170 Grad für 15 bis 20 Minuten, bis die Plätzchen am Rand leicht goldgelb sind. Nach dem Abkühlen werden sie mit Puderzucker bestäubt. Außen mürbe, innen weich und aromatisch.